Interview mit Olga Gallina von Die Kaffee

Klein aber fein! Bei „Die Kaffee“ steht Kaffee im Mittelpunkt. Das Lokal lädt zum Verweilen ein, die über zwanzig Kaffeesorten zum Experimentieren und Genießen. Olga und ihr Team bereiten jedem Kaffee-Liebhaber ein tolles Erlebnis, aber auch Neueinsteiger können sich  ausprobieren und die Welt des Kaffees kennenlernen. Im Interview berichtet die Kaffee-Expertin über Probleme, Ziele, Erfolge und vieles mehr. Aber lest selbst…

Du hast den Unternehmerinnenpreis 2017 gewonnen – was ruft das in dir hervor?

So eine Preisverleihung ist völlig anders als mein „Alltag“ bei „Die Kaffee“ – man kümmert sich um das Wohl der Gäste und versucht, den Alltag zu bewältigen und dabei tritt das Gefühl für das, was man schon erreicht hat, manchmal in den Hintergrund. Für mich ist jeder Tag etwas Besonderes, allerdings ist es schon etwas Anderes von einer Experten-Jury so gelobt zu werden. Während ich mich für diesen Preis beworben habe, hatte ich sehr viele emotionale Momente, auch mit Tränen, als ich diese 6 Jahre habe Revue passieren lassen. Ich fühle mich sehr geehrt und bin sehr glücklich über diesen Preis und über die Wertschätzung meiner Arbeit, denn die besteht nicht nur daraus Cappuccino zu machen.

Man merkt hier eindeutig, bei dir steht der Kaffee im Vordergrund. Wie kam es zu der Idee, eine Kaffeebar zu eröffnen?

Kaffee ist ein Produkt, mit dem man sehr kreativ sein kann – man kann die Rohkaffees variieren, die Röstung und die Zubereitung – und man lernt nie aus und entdeckt immer etwas Neues. Das wollte ich auch den Kunden vermitteln. In meinem Café soll man dieses einzigartige Produkt genießen und einen Moment die Umwelt vergessen. Viele meiner Kunden sagen zu mir, dass „Die Kaffee“ wie ihr zweites Wohnzimmer ist. Dieser Satz freut mich sehr, weil ich gerne einen sehr engen Kontakt zu meinen Kunden habe. Und so etwas motiviert mich, immer weiterzumachen. Wenn man sich nur auf Kaffee fokussieren möchte, dann muss man sich vermutlich selbstständig machen.Mir wurde vor sechs Jahren etwas gesagt, was ich mir heute noch als einen Leitsatz nehme:

„Bleib so wie du bist! Deine Leidenschaft und deine Vision werden dir den Erfolg bringen. Du musst nicht unbedingt groß werden, sei ehrlich und biete immer die beste Qualität im Service und bei deinen Produkten. Damit wirst du alle „Szene-Bars“ abhängen.“

Es war damals sehr schwer für mich ein Konzept zu finden, einerseits wollte ich das Thema Kaffee unbedingt als zentralen Punkt in meinem Laden haben, andererseits hatte ich die Befürchtung, dass mein Café nicht Szene-lastig genug ist. Es war ja schließlich „nur“ Kaffee, den ich anzubieten hatte. Im Rückblick habe ich für mich alles richtiggemacht. Die eine Sache, die ich nie bereut habe ist, dass ich mein Gesicht gewahrt habe und mir selbst treu geblieben bin. Was ich jedem Jungunternehmer nur empfehlen kann!

Dein Beruf ist eine wirkliche Berufung – du bildest inzwischen auch aus, wie kam es dazu?

Ausbilden ist vielleicht etwas viel gesagt, weiterbilden oder schulen trifft es vermutlich eher. Wenn Gastronomen unser Produkt kaufen gibt es viele Parameter auf die Acht gegeben werden muss. Wie stelle ich meine Mühle ein, welche Temperatur braucht der jeweilige Kaffee, sind die Tassen vorgewärmt, usw.– das ist ähnlich wie beim Kochen. Kaffee ist ein komplexes Naturprodukt, bei dem es nicht einfach darum geht, ein Knöpfchen zu drücken. In vielen Restaurants werden Weinempfehlungen, sogar Wasserempfehlungen, zu einem Menü ausgesprochen. Komischerweise kümmert es niemanden, dass der Kaffee am Ende eines hervorragenden Restaurantbesuches nicht passend ausgesucht wird. Man bekommt einen „X-beliebigen“ Kaffee oder Espresso serviert. Genau dafür möchte ich die Gastronomie sensibilisieren. Kaffeesorten sind genauso wie Weinsorten sehr unterschiedlich. Niemand würde einen vollmundigen Rotwein zu einem Fischgericht trinken, wieso sollte es dann der vollmundige Kaffee sein, wo es doch fruchtige gibt. Das Schulungsangebot hat mit der Nachfrage zu tun, meine Gäste kommen zu mir und sagen, Olga, du sagst immer, der Kaffee hat so viele verschiedene Nuancen und Geschmacksrichtungen, mal schmeckt er gut, mal schmeckt er schlecht. Woran liegt das!? In den Schulungen behandeln wir die vielen Punkte, mit denen das zusammenhängt. Das hat natürlich mit der Kaffeesorte zu tun, aber auch die Zubereitungsmethode, die Temperatur und auch die Wasserqualität spielen eine große Rolle. Aber genauso kann das, was man vorher gegessen hat, die Wahrnehmung beeinflussen. Meine Motivation bei den Schulungen ist, dass Menschen Kaffee bewusster trinken, die Unterschiede wahrnehmen und Kaffee nicht nur wahllos konsumieren.

Nach welchen Kriterien suchst du deinen Kaffee aus? Hast du schon Kaffeeanbaugebiete besucht?

Ich suche keinen Kaffee nach Zertifizierung, wie Fair Trade, Bio etc., aus. Ich suche einen Kaffee, der unter fairen Bedingungen angebaut wird – fair für die Umwelt, aber auch für die Menschen. Und daneben suche ich natürlich auch nach Geschmack aus. Das ist ähnlich wie beim Wein – es geht um die Region in der, der Kaffee angebaut wird, um das Alter der Pflanze um den Boden und um die Lage. Der letzte Kaffee, den ich gekauft habe, stammt zum Beispiel aus Kuba. Da schmeckt man sogar eine leichte Tabaknote – wie bei einer kubanischen Zigarre. Im kommenden Jahr würde ich gerne eine Reise in ein Ursprungsland meiner Kaffees machen. Ich will dabei auch hautnah die Ernte auf den Plantagen mitbekommen. Mich interessiert der ganze Prozess. Ich freue mich sehr auf dieses Abenteuer und die neuen Erfahrungen.

Ist Nachhaltigkeit für dich ein Thema?

Ja auf jeden Fall! Nachhaltigkeit bedeutet für mich, dass weder die Natur noch die Menschen ausgebeutet werden dürfen. Das heißt auf der einen Seite, dass die Natur geschont werden muss und Rücksicht auf die Böden genommen werden muss. Auf der anderen Seite bedeutet das auch, dass die Bauern davon dauerhaft leben und auch ihren Kindern eine Zukunft bieten können. Deshalb versuche ich sehr darauf zu achten, zu wissen, wo mein Kaffee herkommt und unter welchen Bedingungen er angebaut wird. Mein Rohkaffee ist schon im Einkauf etwas teurer, aber ich sehe, dass meinen Kunden diese Nachhaltigkeit auch wichtig ist und sie bereit sind, das zu unterstützen.

Zusammengefasst von 2011 bis heute – Was hat sich verändert?

Damals wollte ich einen Beruf haben, der mein Leben verändert und mich voll und ganz erfüllt. Durch verschiedene Schulungen habe ich meine Berufung gefunden und mir damit meinen Traum erfüllt. Jetzt kann ich jeden Tag machen, was mir Spaß macht, wenn ich morgens mein Café öffne, die Maschine einschalte und die ersten Gäste begrüßen – und ein himmlischer Kaffeegeruch in der Luft liegt! Ich umgebe mich völlig mit dem Thema Kaffee – „all Kaffee everything“. Ich habe ich sogar nach meiner Hochzeit einen speziellen Espresso kreiert, der meinen neuen Nachnamen, Gallina, trägt. Die Mischung schmeckt nach Schokolade und Nuss und hat beim Verkostungswettbewerb der Deutschen Röstergilde eine Goldmedaille gewonnen. Das ist auch mein persönlicher Favorit. Es ist echt enorm, mein kleines „Baby“ kommt jetzt in die Schule. Wir alle, von den Mitarbeitern bis zu meinen Kunden, sind in den letzten sechs Jahren gewachsen. Es ist toll zu sehen, wo wir angefangen haben und wo wir jetzt stehen.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?

Mein Wunsch ist es weiterhin wie ein zweites Zuhause für meine Gäste zu sein. Mittlerweile sind viele Menschen von ihren Familien durch ihre Arbeit getrennt, der Alltag ist sehr hektisch und eng getaktet und man sehnt sich nach ein wenig Ruhe und Entspannung. Das versuche ich zu bieten „Die Kaffee“ bietet allen, von jung bis alt, einen Ort zum Quatschen und Kaffee trinken, wo man willkommen ist. Ein Traum von mir ist es das Café vielleicht ein wenig zu vergrößern und die Leidenschaft für Kaffee den Kunden näherzubringen.

Sonst bin ich wunschlos glücklich, mein Traum ist in Erfüllung gegangen.