Ein Besuch bei Holger Berens

Sterneküche im Medienhafen

Ein Besuch in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, bei Holger Berens, war schon lange überfällig. Warum es bisher trotz mehrfacher Anläufe nie geklappt hat, kann ich kaum noch rekapitulieren. Das Warten und die Vorfreude haben sich aber letztendlich gelohnt. Das Berens am Kai – übrigens das einzige Restaurant im Medienhafen mit Michelin Stern – wird seinem Ruf gerecht.

Seit 1998 kocht Holger Berens in seinem Lokal im Hafen eine moderne, zeitgemäße, europäische Küche, die intensiv und aromenreich daherkommt. Die Produkte sind von Top-Qualität. Ein Michelin Stern bedeutet per Defintion des Restaurantführers: „Eine Küche voller Finesse – einen Stopp wert! Produkte von ausgesuchter Qualität, unverkennbare Finesse auf dem Teller, auf den Punkt gebrachter Geschmack, ein konstant hohes Niveau bei der Zubereitung.“

Berens am Kai

Wir entschieden uns für das aktuelle 7-Gang Menü für 125 Euro pro Person. Alternativ hat man noch die Wahl zwischen 5 Gängen für 95 Euro oder 10 Gängen für 149 Euro.

Nun zum Essen…

Es ging los mit Gänseleber, Zitrusfrüchten und Cashewnüssen. Sehr gut, nur die Leber war relativ fest und nicht ganz so cremig wie erwartet. Weiter ging es mit geräucherter Auster, Kürbis und Katsuobushi. Eine tolles Gericht mit spannender Textur der geräucherten Auster. Dritter Gang: Saibling, rote Beete, Flusskrebs Bouillon, getrocknete Himbeeren und Meerrettich. Der Saibling super zart und perfekt gegart, getragen durch die extrem schmackhafte, süße rote Beete. Weiter ging es mit Rotbarbe, Quitte und Chorizo. Ein wunderbar krosser Fisch mit einer Explosion an harmonierenden Aromen. Dann kam mein persönlicher Favorit: Geschmorte Zwiebel, Mimolette und Trüffel. Der geschmolzene Käse in der Zwiebel in Kombination mit dem Trüffel – einmalig! Mehr davon! Danach folgte der eigentliche Hauptgang: In Miso und Kakao gebeiztes Reh, Schwarzwurzel, geschmorte Shitake Pilze. Gut gedacht aber für mich der schwächste Gang, da das Reh leider kalt war. Kann mal passieren, sollte es aber nicht auf beiden Tellern. Die „Panade“ mit Rohkakao hatte mir auch zu viele Bitterstoffe. Dennoch hab ich den Teller leergeputzt, die Sauce war einfach zu gut. Auch die Shitake waren toll. Dann fehlte nur noch das Dessert: Schokolade, Kaffee, Artischocken, orientalische Würze. Für mich persönlich zu wenig süß wenn man nur ein Dessert bekommt, aber dennoch ein schöner Gang. Die orientalischen Gewürze in Kombination mit dieser besonderen Textur habe ich so noch nicht probiert. Glücklicherweise gab es noch ein paar süße Trüffel zum Abschluss. Die waren toll und gehen natürlich immer.

Zum Menü gönnten wir uns statt der angebotenen Weinbegleitung eine Flasche roten Burgunder von der durchaus sehr guten Weinkarte. Man findet hier nicht nur gereifte französische Crus sondern auch tolle deutsche Rieslinge und andere Schätzchen. Man hat eine gut sortierte Karte mit über 300 Positionen zur Hand.

Dass der Chef hier auf Moderne setzt, schmeckt man nicht nur – das gilt für das Interieur ebenso. Der eine oder andere mag es kalt finden bzw. sich an einen Konferenzraum erinnert fühlen. Ich persönlich finde ich es schick und mag das minimalistische Design. Allerdings kann ich es auch nachvollziehen wenn man in einem Sternelokal eher gemütliche Sessel und „cozy“ Ambiente bevorzugt. Man muss es halt mögen.

Gegenüber „Düsseldorfer Spitzenköche“ verriet Holger Berens unter anderen wie er zum Kochen kam: „Ich bin erblich vorbelastet. Mein Vater gehörte zu der Generation von Köchen, die die gehobene französische Küche nach Deutschland brachten.“

Was ist Ihr Lieblingsgericht? „Das ist ja so, als würde man einen Modedesigner fragen, was er am liebsten anzieht. Diese Frage kann ich nicht beantworten.“

Wo würden Sie gern mal essen gehen? „Mich interessieren alle neuen, innovativen Köche und natürlich die ganz Großen unserer Zunft. Ich würde gerne noch mal bei Paul Bocuse essen; mein Besuch bei ihm hat mich damals – da war ich noch ein ganz junger Mann – schwer beeindruckt.“

Und wo gehen Sie gern in Düsseldorf und Umgebung essen?
„Im Nagaya (Japanisches Restaurant in Düsseldorf mit einem Stern, Anm. d.Red.). Die Japaner haben uns eine ganz neue Art von Küche und Genuss gelehrt. Das ist so ganz anders, das mag ich.“

Ich komme sicher nochmal wieder…